Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft – ein Widerspruch?

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von Daniel Dietrich

Inhaber und Geschäftsführer der Inklusis GmbH mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Inklusion.

Zwei Welten oder eine gemeinsame Basis?

Illustration von Peter Inklusis zum Thema Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft. Er ist farblich gespalten zwischen diesen beiden Themen.
Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft – eine Gemeinsame Basis.

«Wenn eine Fachperson ihre agogische Ausbildung absolviert hat, dann kann ich sie im Betrieb nicht mehr gebrauchen.» Diese Aussage habe ich von einem Betriebsleiter gehört. Gleichzeitig sagen Arbeitsagogen: «Wenn wir nicht so viele betriebliche Vorgaben hätten, dann könnten wir endlich agogisch arbeiten.»

Auf den ersten Blick scheinen Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft zwei gegensätzliche Disziplinen zu sein. Während die Arbeitsagogik sich auf die begleitende, fördernde und entwicklungsorientierte Gestaltung von Arbeitsprozessen für Menschen mit Unterstützungsbedarf konzentriert, verfolgt die Betriebswirtschaft das Ziel, wirtschaftliche Ressourcen effizient einzusetzen, um den Unternehmenserfolg zu optimieren. Doch stehen diese beiden Ansätze wirklich im Widerspruch, oder ergänzen sie sich in der Praxis sogar?

Arbeitsagogik: Mensch im Mittelpunkt

Illustration von Peter Inklusis zum Thema Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft. Im Hintergrund sehen wir Händeschütteln und Personen, die sich umarmen.
Arbeitsagogik: Menschen im Mittelpunkt.

Arbeitsagogik, wie von Dario Togni-Wetzel definiert, ist das gezielte Einsetzen von Arbeit als Lernfeld. Sie umfasst Führungs- und Beziehungsarbeit, um Menschen mit Unterstützungsbedarf zu stabilisieren, ihre Handlungskompetenz zu erweitern und sie in die Arbeitswelt zu integrieren.

Betriebswirtschaft: Effizienz und Erfolg

Illustration von Peter Inklusis zum Thema Betriebswirtschaft. Im Hintergrund sehen wir positive Bilanzen und Zahnräder.
Betriebswirtschaft: Effizienz und Erfolg

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) ist eine wirtschaftswissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Planung, Steuerung und Analyse von Unternehmen befasst. Ihr Ziel ist es, Kosten zu optimieren, Erträge zu maximieren und Geschäftsprozesse effizient zu gestalten, um langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Wie Betriebswirtschaft und soziale Verantwortung zusammenwirken

Durch betriebswirtschaftliches Denken können soziale Institutionen wirtschaftlich tragfähige Konzepte entwickeln. Eine solide Finanzplanung sorgt dafür, dass Projekte nachhaltig gesichert und neue Angebote gezielt aufgebaut werden. Effizientes Ressourcenmanagement ermöglicht, mehr Mittel direkt für die agogische Arbeit einzusetzen. Klare Strukturen und Prozesse reduzieren Verwaltungsaufwand und schaffen mehr Zeit für die eigentliche soziale Arbeit. Zudem lassen sich durch wirtschaftliches Denken Modelle der beruflichen Inklusion skalieren und in weitere Branchen oder Regionen übertragen.

Arbeitsagogik: Zu sozial für die Betriebswirtschaft?

Oft wird angenommen, dass Arbeitsagogik und Betriebswirtschaft nicht zusammenpassen. Doch in Wahrheit sind sie zwei Seiten derselben Medaille. Ein gezieltes arbeitsagogisches Konzept kann dazu beitragen, Mitarbeitende mit Unterstützungsbedarf produktiv in betriebliche Abläufe einzubinden, wodurch wirtschaftlicher Mehrwert entsteht.

Mehr Gemeinsamkeiten als gedacht?

Bei genauerer Betrachtung ergeben sich zahlreiche Überschneidungen:

Mitarbeiterförderung steigert Produktivität: Durch gezielte arbeitsagogische Massnahmen fehlen Mitarbeitende seltener, können ihr volles Potenzial entfalten und effektiver arbeiten.

Nachhaltige Personalentwicklung: Die Investition in Menschen mit Unterstützungsbedarf trägt zur langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen bei – sowohl für diese Menschen als auch für die Fachkräfte, die sie begleiten.

Verbesserung der Unternehmenskultur: Unternehmen, die Arbeitsagogik aktiv nutzen, profitieren von einem besseren Arbeitsklima und erhöhter Mitarbeiterzufriedenheit.

Inklusion als wirtschaftlicher Vorteil: Inklusive Arbeitsplätze werden immer attraktiver – sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende mit Unterstützungsbedarf.

Fazit: Synergien statt Widerspruch

Ist Arbeitsagogik also wirklich zu «sozial» für die Betriebswirtschaft? Ganz im Gegenteil! Die Kombination aus arbeitsagogischen Methoden und betriebswirtschaftlichem Denken führt zu nachhaltigem Erfolg – sowohl für Unternehmen als auch für Menschen mit Unterstützungsbedarf.

Wenn es gelingt, sozialen Mehrwert und wirtschaftliche Effizienz zu verbinden, entsteht ein Modell, das nicht nur finanziell tragfähig ist, sondern auch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen stärkt. Eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten.

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Quellen:

Inhalt

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